Der Regen hatte gestern Mittag tatsaechlich eine laengere Pause gemacht, also packte ich zusammen und fuhr los.


Bei Saltstraumen machte ich Pause und besichtigte den groessten Mahlstrom der Welt. Die Tide treibt hier einen Strom durch zwei Inseln, die etwa 150 m voneinander entfernt sind. Das Wasser erreicht dabei in Springzeiten eine Geschwindigkeit von fast 20 Knoten. Es soll auch Strudel mit mehreren Metern Tiefe geben. Der Tiefste, den ich gesehen habe, war vielleicht gerade 30 cm. Vermutlich war ich nicht genau zum Zeitpunkt der hoechsten Stroemungsgeschwindigkeit da, das Wasser hatte aber trotzdem ordentlich Tempo.


Ein paar kleine Schlauchboote fuhren in Gleitfahrt im Strom und liefen trotzdem einen achterlichen Kurs ueber Grund.


Die Stelle ist auch bei Anglern sehr beliebt. Ich machte extra laenger Pause, um einen Drill zu sehen, aber in der 3/4 Stunde fingen die etwa 15 Mann, die ich beobachten konnte, keinen einzigen Fisch. Die Angler waren darueber sichtlich mehr enttaeuscht als ich.

Meine Enttaeuschung sollte erst auf der Weiterfahrt kommen. Es fing nicht nur wieder an zu regnen, mein Laufrad machte wieder Schwierigkeiten.
Es war wohl zu naiv von mir zu glauben, der Schaden waere behoben, aber ich tat mich eben schwer zu einer Fahrradwerkstatt zu gehen und zu sagen: “Funktioniert alles, reparieren Sie doch bitte mal”.

Ich entschloss, so gut es ging bis zum naechsten Campingplatz zu radeln und am naechsten Tag, also heute, mit dem Bus nach Bodo zurueck zu fahren.
Leider kam lange Zeit kein Campingplatz. Da ich meine Sachen aber heute unbeaufsichtigt zurueck lassen musste, kam wildes Campen nicht in Frage.
Nach gut 80 gefahrenen (besser geeierten) Kilometern fragte ich eine Frau, die gerade ihren Hund auf der R17 ausfuehrte, wann ein Campingplatz kommen wuerde. Sie nannte mir einen Ortsnamen, den ich auf der Karte nicht fand, also fragte ich nach der Entfernung. “One mile” war die Antwort. 18 km spaeter fuhr ich an dem besagten Ortsschild vorbei und fand den beschriebenen Campingplatz.

Als mein Zelt stand und ich geduscht hatte, besuchte mich ein Norweger, der die Huette neben mir gemietet hatte. Wir unterhielten uns 20 Minuten und zum Abschluss des Gespraechs zauberte er eine Dose Bier aus dem Aermel. Er meinte, ich brauche Kraft fuer die naechsten Tage.
Kurz darauf brachte er mir in einem Plastikbecher noch einen Jaegermeister vorbei.
Nach rund 75 km im Regen bei 11 Grad (bei der Ankunft) war das waermende Gefuehl der groesste Genuss.

Wie geplant fuhr ich heute Morgen mit dem Bus nach Bodo zurueck, nur meine Wertsachen und mein hinteres Laufrad bei mir.
Die Campingplatzbesitzerin erklaerte mir haarklein wann der Bus wo abfahren wuerde, was er dann auch genau so tat.
Mein Nebensitzer im Bus beschrieb mir, wo ich passende Geschaefte finden koenne.
Gleich im ersten davon erntete ich nur Kopfschuetteln. Sie hatten nicht mal ein neues 28 Zoll-Rad auf Lager. Es war eben ein typisches Sportgeschaeft, 80 Prozent der Ware bestand aus Kleidung. Es schien mir, als haette ich mehr Werkzeug dabei als es in ihrer Werkstatt gab.
Sie beschrieben mir aber gerne den Weg zu einem richtigen Radgeschaeft, vielleicht 2,5 km vom Zentrum entfernt. Dort sitze ich gerade vor der Tuere und warte. Der Mechaniker, der am Freitag hier ist, kennt sich mit dem Innenleben einer Nabenschaltung scheinbar ebensowenig aus wie ich. Er meint aber, dass sein Kollege, der um 15 Uhr extra meinetwegen vorbeischauen wuerde, das locker reparieren koennte.
Ich hoffe es zwar, ansonsten bekomme ich hier aber immerhin ein neues Laufrad.
Die Weiterfahrt scheint gesichert.

Waehrend der Busfahrt habe ich noch einen der Seeadler beobachten koennen, fuer die die Gegend um Bodo bekannt ist. Auch die Landschaft konnte ich heute, bei trockenem Wetter, mehr geniessen als gestern, als ich ein Auge, beide Ohren und besonders meine Gedanken bei meinem Hinterrad hatte.
Wenn mein Ross wieder laeuft, verspricht das schoene Etappen fuer die naechsten Tage - eine entsprechende Wetterlage vorausgesetzt.